Honigkonsum, Honigwissen und Einstellung zu nachhaltiger Honigproduktion in Österreich und Europa

In einer Umfrage im Rahmen des EU-Projekts B-THENET wurden Konsumverhalten und Einstellungen zu Honig sowie Wissen über Imkerei von Honig-KonsumentInnen untersucht. Ziel war es Konsummengen, Verbraucherpräferenzen und Wissen über die Imkerei und zu nachhaltiger Bienenhaltung zu erhalten. Die Online-Umfrage, verfügbar in 14 Sprachen, war zwischen August und September 2023 öffentlich verfügbar und wurde auf unterschiedlichen Kanälen beworben. Insgesamt nahmen 2193 Honig-KonsumentInnen aus 15 EU-Ländern teil, darunter 219 Personen aus Österreich. Im Folgenden werden die wichtigsten europäischen Erkenntnisse zusammengefasst mit Fokus auf die Ergebnisse aus Österreich.

Europäische Perspektive

Die europäische Analyse zeigt, dass etwa die Hälfte der Befragten Honig mindestens einmal pro Woche oder sogar täglich konsumiert, während 6% der Personen Honig nur einmal pro Jahr essen. Die fünf wichtigsten Gründe für den Honigkonsum der EuropäerInnen sind der Geschmack des Honigs, seine lange Haltbarkeit und einfache Lagerung, der Duft, seine natürliche und unverarbeitete Art und seine Verwendung als Alternative zu Zucker. Von allen Befragten kaufen 86% ihren Hong ein, davon erwerben 75% der KäuferInnen ihren Honig bevorzugt direkt bei ImkerInnen, wobei nur knappe 3% Honig in Online-Shops kaufen. Gemischte Blütenhonige, Akazienhonig und Waldhonig sind europaweit am beliebtesten. 94% der Befragten unterstützen den Kauf nachhaltig produzierten Honigs und 76% sind bereit, dafür mehr zu bezahlen.

Abbildung 1: KonsumentInnen aus 15 EU-Ländern nahmen an der Umfrage teil. Österreich war auf Platz 3.

Konsumverhalten in Österreich

In Österreich nahmen neben den 219 KonsumentInnen (Abbildung 1), auf denen das Hauptaugenmerk der Studie liegt, auch 95 ImkerInnen teil. Dabei konsumieren österreichische ImkerInnen deutlich häufiger und größere Mengen Honig, als die 219 nicht-ImkerInnen. Im Durchschnitt verzehren ImkerInnen 363 g Honig pro Monat, KonsumentInnen hingegen 118 g, wobei rund 50% aller KonsumentInnen Honig einmal die Woche oder sogar täglich konsumiert.

Für über die Hälfte der Befragten ist der Grund für Konsum von Honig, dass er gut schmeckt, einen guten Duft und Aroma besitzt, lange haltbar ist und sich gut lagern lässt, er ein unverarbeitetes, natürliches Produkt ist und man mit dem Kauf örtliche LandwirtInnen unterstützt. Ebenfalls wichtig ist, dass der Konsum/Kauf die Bestäubung und biologische Vielfalt fördert, er als eine gute Zutat für Speisen und Getränke dient und einer guten Alternative zu Zucker entspricht (Abbildung 2).  Diese Ergebnisse stimmen mit dem europäischen Trend überein.

Abbildung 2: Die Gründe in Österreich Honig zu konsumieren sind vielseitig (n = 219 Befragte).

KonsumentInnen stehen Honig grundsätzlich positiv gegenüber. Das zeigt sich auch bei Geschmack und Konsistenz, indem die Mehrheit der Befragten Aussagen wie „Ich mag den Geschmack von Honig nicht“ oder „Ich mag die Konsistenz nicht“ stark ablehnt. Rund 30% der KonsumentInnen weiß oft nicht, aus welchem Land der Honig stammt, und ist sich unsicher, ob es sich um ein gepanschtes Produkt handelt. Auch der Zuckergehalt und mögliche Rückstände (z. B. Pestizide) sind ein Thema. Diese Ergebnisse zeigen, dass Honig zwar geschätzt wird, aber auch, dass KonsumentInnen sich mehr Transparenz, Herkunftsangaben und Sicherheit wünschen.

Abbildung 3: Österreichische Zustimmung zu Aussagen in Verbindung mit dem Produkt Honig (n = 219 Befragte).

Für KonsumentInnen in Österreich ist beim Honigkauf vor allem Vertrauen in Herkunft und Erzeugung wichtig. Das zeigt sich in der Gewichtung von Produkteigenschaften. An erster Stelle stehen das Ursprungsland, die lokale Produktion, ein gut lesbares Etikett sowie die Nennung des/der ErzeugerIn. Auch die Honigsorte und eine Zertifizierung spielen eine bedeutende Rolle bei der Kaufentscheidung. Deutlich weniger wichtig sind hingegen Marketingaspekte wie Verpackungsdesign, Vorhandensein von QR-Codes oder Rezeptvorschläge (Abbildung 4). Interessant ist, dass der Preis für KonsumentInnen eine eher untergeordnete Rolle spielt, denn für rund 30% ist der Preis eher oder sogar sehr unwichtig. Diese Ergebnisse zeigen, dass KonsumentInnen wissen möchten, woher der Honig kommt, wie er produziert wurde und wer dahintersteht.

Abbildung 4: Wichtige Faktoren beim Kauf umfassen eine breite Palette von Eigenschaften (n = 219 österreichische Befragte).

Wissen über Honig und Imkerei
Die Hälfte der österreichischen KonsumentInnen geben an, verschiedene Honigsorten unterscheiden zu können.  Zu den beliebtesten Sorten gehören der Waldhonig, gefolgt vom Blütenhonig und der Kastanie. Die geringe Beliebtheit von Sonnenblumen- und Rapshonig (unter 10%) lässt vermuten, dass entweder Sensorik, Verfügbarkeit oder fehlende Bekanntheit eine Rolle spielen. Durch gezielte Verkostungen und Sortenkommunikation/-marketing könnte man die Bekanntheit und Beliebtheit steigern. Generell könnten Informationskampagnen über heimische Honigsorten dabei helfen das Wissen und die Kaufmotivation der KonsumentInnen weiter zu stärken. Mit 67% kaufen die meisten KonsumentInnen direkt bei ImkerInnen – das spricht für ein hohes Vertrauen in die ProduzentInnen sowie für eine Wertschätzung regionaler und transparenter Herkunft. Auch der lokale Markt ist mit 47% wichtig, was den Wunsch nach persönlichen, nachvollziehbaren Einkaufserlebnissen unterstreicht. Die Direktvermarktung bleibt somit die wichtigste Art für den Honigvertrieb. Der österreichische Online-Handel spielt mit nur 0,5% momentan keine Rolle, vermutlich wegen fehlendem Vertrauen in die Authentizität der Produkte und dem Wunsch nach direkter Beratung oder Verkostung.

Nachhaltigkeit ist ein starkes Kaufargument – auch bei Honig
Rund 79% der österreichischen KonsumentInnen bevorzugen Honig aus nachhaltiger Produktion. Das zeigt, dass ökologische und ethische Produktionsweisen für die Mehrheit kein „Zusatz“, sondern wichtige Qualitätsmerkmale sind. Weitere 19% würden nachhaltigen Honig kaufen, wenn der Preisunterschied nicht zu groß wird, was zeigt, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema für KonsumentInnen ist, aber preislich nicht unbegrenzt bleibt. Transparenz ist wichtig. Eine Zertifizierung zum Beispiel auf den Honig-Etiketten und direkte Kommunikation während der Direktvermarktung in Form von Gesprächen oder über die Online-Repräsentation sind demnach von Vorteil, wenn es darum geht nachhaltige Praktiken sichtbar zu machen und um den Mehrwert bei Kauf zu betonen und einen Preisaufschlag zu argumentieren. Die überwiegende Mehrheit von 83% sind bereit, mehr für zertifizierten nachhaltigen Honig zu zahlen. Mit 41% akzeptieren fast die Hälfte der Befragten einen Aufpreis von 10%, und jeweils 6% haben kein Problem mit Aufpreisen von 30% oder über 30% vom Originalpreis.

Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen deutlich: Honig ist in Österreich ein geschätztes Naturprodukt. KonsumentInnen legen großen Wert auf die Herkunft, das Vertrauen in die ImkerInnen und die natürliche Qualität des Honigs. Besonders erfreulich für die heimische Imkerei ist die hohe Bereitschaft, mehr für zertifizierten nachhaltigen Honig zu zahlen. Die Direktvermarktung bleibt dabei der wichtigste Vertriebskanal – nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch als Plattform für den persönlichen Austausch und die Wissensvermittlung. Zukünftige Untersuchungen sollten klären, wie gezielte Bildungsangebote das Wissen der KonsumentInnen über Honig und nachhaltige Imkerei stärken können. Eine Wiederholung der Umfrage mit größeren Teilnahmezahlen ist zu empfehlen. Ebenso wichtig sind Maßnahmen zur Erhöhung der Sichtbarkeit heimischer Honigprodukte auf dem Markt.

Wir haben bereits mehrfach über das B-THENET Projekt im Bienen aktuell berichtet (zuletzt im November 2024). Es gibt auch die Möglichkeit der Mitwirkung für Imkerinnen und Imker. Um mehr zu erfahren, besuchen Sie uns auf der Webseite: https://www.bthenet.eu/

Dieser Artikel erschien zuerst in Bienen Aktuell, Ausgabe 2025.

Autoren: Kristina Gratzer & Robert Brodschneider, Institut für Biologie, Universität Graz, Universitätsplatz 2, 8010 Graz