Das SAMS EU Projekt – Entwicklung nachhaltiger Bienenhaltung in Indonesien

Im von der EU geförderten Projekt SAMS (Smart Apiculture Management Services) wird die Imkerei in Entwicklungsländern gefördert. In diesem Artikel (auch in Bienenaktuell November 2019 erschienen) berichten wir über unsere Reise nach Indonesien.

Robert Brodschneider & Kristina Gratzer, Bienenaktuell 11/2019, Seite 18-21.

Das von der EU geförderte Horizon 2020 Projekt SAMS (Smart Apiculture Management Services, Grant Agreement N° 780755) wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) initiiert. Das Ziel dieses Projektes ist weniger wissenschaftlicher Natur, sondern Armutsbekämpfung durch die Entwicklung nachhaltiger Bienenhaltung in zwei für die GIZ bereits seit vielen Jahren bekannten Zielländern für Zusammenarbeit: Indonesien, mit Möglichkeit der Ausweitung auf ganz Süd-Ost-Asien, und Äthiopien, mit der Ausweitung auf Afrika südlich der Sahara. Das Projektkonsortium besteht von europäischer Seite neben der GIZ aus Partnern von der Lettischen Agrarwissenschaftlichen Universität, dem Witzenhausener Ableger der Universität Kassel, einer Forschungsstelle zu ökologischen Agrarwissenschaften und dem Institut für Biologie der Universität Graz. In den Zielländern sind unterschiedliche Institutionen involviert – von Forschungseinrichtungen bis hin zu Organisationen die sich mit Firmengründungen oder der Verbreitung von Wissen über die Biene kümmern. Aufhänger für dieses Projekt ist die erstmalige Entwicklung leistbarer elektronischer Stocküberwachungs-systeme in diesen Ländern, die mit Hilfe der Methode „Benutzer-zentriertes Design“ in enger Zusammenarbeit mit lokalen Imkern und anderen Benutzergruppen entwickelt werden. Während in Europa solche Systeme, etwa Stockwaagen, kommerziell erhältlich und leistbar sind, stecken diese Entwicklungen, wie auch teilweise die moderne Bienenhaltung, in Afrika und Asien noch in den Kinderschuhen. Als Beispiel sei hier die Vorgabe „Low Tech, Low Cost & Low Maintainance“ genannt, wobei letzteres auch noch wenig Energieverbrauch inkludieren sollte. Ebenfalls ist bei diesem Projekt zu bedenken, dass Diebstahl von Bienenvölkern (inklusive etwaiger technischer Ausrüstung) vorkommen kann. Eine Erkenntnis dieses Projekts ist auch die Arbeit die in eine bessere Organisation der Imkerei, zum Beispiel durch Schaffung von Netzwerken oder Schulungsmaterialien, gesteckt werden muss.

Abb. 1. Das Team der Universität Graz durfte auch Proben von A. cerana mit nachhause nehmen.

Im Laufe des Projektes sind wir im Sommer 2019 nach Indonesien gereist, um die Situation vor Ort besser zu verstehen, Netzwerkarbeit zu leisten und natürlich um selbst mehr über die lokale Bienenhaltung zu erfahren (Abb. 1). Indonesien ist Heimat mehrerer Arten der Gattung Apis, allen voran der östlichen Honigbiene Apis cerana oder der Riesenhonigbiene Apis dorsata, aber auch anderer zur Honiggewinnung genutzter Bienenarten (Abb. 2). Unsere westliche Honigbiene Apis mellifera wurde zur profitablen Bienenhaltung eingeführt, hat sich aber noch nicht vollständig durchgesetzt. In anderen Worten: Es wird noch häufig mit A. cerana gearbeitet, auch wenn sich aufgrund fehlender Datenlage der cerana/mellifera Anteil an Völkern nicht genau bestimmen lässt (Abb. 3). Vom auf Seehöhe gelegenen Jakarta aus, fuhren wir per Zug in die auf fast 800 Meter Seehöhe gelegene „Stadt der Blumen“ Bandung mit ihren zweieinhalb Millionen Einwohnern. Von den Blumen ist in der überfüllten und vom Individualverkehr stark geprägten Stadt nicht viel zu sehen. Allerdings ist das Klima sehr angenehm, weniger heiß und schwül als erwartet. Dort haben wir in einer Veranstaltung lokale Entscheidungsträger über den Projektfortschritt und vor allem über die Bedeutung der Bienen informiert. Dabei wurde auch ein offizielles Dokument zur Unterstützung der Bienen unterzeichnet, indem etwa die erstmalige Schaffung zweier mehrere Hektar großer Bienenschutzgebiete beschlossen wurde. Dieser Schritt wurde von den lokalen Bienenfreunden als ein sehr bedeutender erster Schritt zur öffentlichen Anerkennung der Bienen und der Imkerei gewertet, ist doch das Bewusstsein um die Bedeutung der Biene noch nicht so stark entwickelt wie in Europa. Eine weitere Veranstaltung war öffentlich zugänglich. Bei diesen Veranstaltungen wurden die Entwicklung der Imkerei in Indonesien, vor allem die Qualität des produzierten Honigs, der Erhalt der A. cerana Population aber auch die mangelnde Versorgung mit Trachtpflanzen sowie der Einsatz von Pestiziden diskutiert. Indonesien ist ein tropisches Land, allerdings gibt es wenig Kenntnis über die wichtigsten Trachtpflanzen, Massentrachten fehlen vielerorts. Die Abholzung des Waldes stellt ein weiteres Problem für das Land dar.

In der Region Ciwidey besuchten wir einen Betrieb der ausschließlich mit A. cerana arbeitet. Diese Biene ist etwas kleiner als A. mellifera, was sich auch in der für uns ungewohnt kleineren aber schön anzusehenden Zellgröße wiederspiegelt. Auch die Anzahl der Bienen in einem Volk ist geringer, verglichen mit A. mellifera. Um der Landwirtschaft (Reis, Tee, Kaffee, Gemüse) aus dem Weg zu gehen, hält der Imker Debby Bustomi zahlreiche Völker im Wald. Seine Wahl fiel auf A. cerana, weil diese seiner Meinung nach sehr effizient die Vegetation nutzen kann, und auch nur wenig Kapital zur Haltung dieser Biene notwendig ist – sein Völkerbestand speist sich aus dem Wald. Bienenstand ist für seine Aufstellungsart nicht der richtige Ausdruck, Bienenweg trifft es schon eher. Insgesamt etwa einhundert Völker sind entlang eines Trampelpfades alle fünfzig bis hundert Meter zu entdecken – ein Wunder, dass er tatsächlich alle, zum Teil in der Vegetation versteckten Völker findet. Auf Massenaufstellung verzichtet er genauso wie auf Ablegerbildung und Königinnenzucht. Die Beuten bestehen aus einer Einheit, die zum Schutz vor räuberischen Säugetieren auf hölzernen Pfählen montiert wurden. Die Pfähle wurden mit Öl bestrichen, um das Eindringen von Schädlingen, wie Kakerlaken oder Ameisen zu vermeiden. Einige der Beuten sind nicht besetzt, sondern entweder sind die Bienen abgeschwärmt – bei A. cerana kommen Fluchtschwärme, etwa durch Nahrungsmangel ausgelöst, vor – oder die leeren Kisten stehen Schwärmen zum Einzug zur Verfügung. Ein als weisellos identifiziertes Volk (mehrere Eier je Zelle deuteten sogar auf legende Arbeiterinnen hin) wurde prompt mit schlupfreifen Weiselzellen aus einem benachbarten Volk versorgt.

Abb. 2. Stachellose Bienen (links) werden oft gemeinsam mit A. cerana (rechts) gehalten.

Abb. 3. Apis cerana Arbeiterinnen vor dem Flugloch

Wir konnten die (überaus friedlichen) A. cerana Völker auch bei ihrer Verteidigung gegenüber Hornissen beobachten. Nähert sich eine solche, schlagen die Bienen synchronisiert mit dem Abdomen – ein Verhalten dass sich auch noch kurze Zeit nach dem Hornissenangriff durch Handbewegungen vor dem Flugloch auslösen lässt. Die Honigernte findet etwa einmal pro Monat statt und der Honigertrag wurde uns mit etwa 2 kg pro Volk und Monat genannt – wobei allerdings nicht rund ums Jahr diese Menge zu ernten ist und von Rückgängen aufgrund der Abholzung des Waldes berichtet wird. Zur Ernte werden auch oft zahlreiche Helfer, unserer Meinung nach mehr als notwendig, angeheuert. Geerntet werden Wabenstücke (es wird ohne Mittelwände gearbeitet), geschleudert wird der Honig nicht, sondern entweder als Wabenhonig in Plastikdosen oder als Presshonig in Plastikflaschen verkauft (Abb. 4). Im Rahmen des Projektaufenthalts konnten wir einige einfach durchführbare Maßnahmen identifzieren, die eine merkbare Qualitätssteigerung ermöglichen würden. Aufgrund fehlender Organisationen wie Imkereivereinen, hat Debby eine Facebook Gruppe gegründet, die „Lebah madu Indonesia“, oder „Indonesische Honigbiene“, wo die mehr als 3200 Mitglieder bereits einen regen Austausch zu bienenrelevanten Themen betreiben.

Abb. 4. Das Bild zeigt einerseits dunklen A. dorsata Honig, den Debby Bustomi von auswärts bezieht und verpackt und andererseits Honig seiner A. cerana Bienen.

Eine besondere Trachtpflanze stellt ein Baum aus der Familie der Hülsenfrüchtler dar: Calliandra, vermutlich C. houstoniana ist zwar in Indonesien ursprünglich nicht heimisch, der tropische Baum wurde aber eingeführt und versorgt Bienen sechs Monate im Jahr mit einem stark gelb gefärbten Nektar. Bäume dieser Gattung sind den Lesern vielleicht als Zierpflanzen unter der Bezeichnung „Puderquastenbäume“ bekannt (Abb. 5).

Abb. 5. Der prächtige Blütenstand von Calliandra houstoniana dient den A. cerana Bienen in Indonesien als wichtige Nektarquelle.

Neben Bienen der Gattung Apis werden auch stachellose Bienen gehalten. Diese sind sehr viel kleiner als Vertreter von Apis, und lagern in ihren Nestern Honig in Töpfchen. Abbildung 6 zeigt ein Nest von stachellosen Bienen der Art Tetragonula laeviceps (frühere und in Indonesien heute noch geläufige Bezeichnung: Trigona laeviceps) denen kleine Holzboxen als Nistplätze angeboten werden. Die kleineren Kugeln beinhalten die Eier und Larven. Honig kann von diesen Völkern geerntet werden, mengenmäßig ist hier allerdings von einem Groscherlgeschäft zu sprechen. Gefangen werden die kleinen Völkchen mittels Bambusstämmen als Nistplatz. Wenn sich ein Volk in so einem Bambusstamm einmal angesiedelt hat, können die Völker dann umgesiedelt und bei ausreichender Stärke sogar geteilt werden.

Abb. 6. Einblick in ein Tetragonula laeviceps Volk. Zu sehen sind Brutzellen und Honigtöpfe (rechts unten).

Während unserer Zeit in Indonesien, konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln und uns mit örtlichen Imkern austauschen. Es war interessant zu erfahren, wie unterschiedlich nicht nur die Art der Bienenhaltung, angefangen von der Bienenbehausung über den Umgang mit den Bienenvölkern bis hin zur Honigernte ist, sondern auch, den Imkern vor Ort über die Schultern zu sehen. Wir lernten Indonesien als ein sehr gastfreundschaftliches Land kennen. Detaillierte Informationen zur Situation der Bienenhaltung in Indonesien finden Sie in unserem bereits vorab und frei zugänglich in der Zeitschrift Bee World erschienen Artikel von Gratzer et al. (2019).  Außerdem werden auf der Projekt-Website https://sams-project.eu/ regelmäßige Newsletter veröffentlicht.

Literatur:

Kristina Gratzer, Fajar Susilo, Dwi Purnomo, Sascha Fiedler & RobertBrodschneider (2019) Challenges for Beekeeping in Indonesia with Autochthonous and Introduced Bees, Bee World, 96:2, 40-44.

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