Praxistipps aus den Statistiken der letzten vier Winterverlustuntersuchungen

Die Winterverluste 2013/14 bis 2016/17 wurden im Rahmen des Projektes „Zukunft Biene“ erhoben und für den Projekt-Endbericht zusammengefasst ausgewertet. Welche Erkenntnisse können aus der Vierjahresanalyse für die Praxis, vor allem die Bekämpfung der Varroa-Milbe, gezogen werden?

Die Winterverlustrate ist von vielen Entscheidungen, die im Laufe eines Bienenjahres getroffen werden, zum Beispiel der Bekämpfung der Varroa-Milbe, sowie weiteren Faktoren, wie etwa dem Wetter abhängig. Die Vor- oder Nachteile einiger Betriebsweisen wurden ja bereits präsentiert. Da jedes Jahr anders ist, gibt es auch kein Generalrezept, wie der Varroa-Milbe am besten Herr zu werden ist. Aus den Ergebnissen der letzten 4 Jahre der Untersuchung der Winterverluste (zusammengefasst im Endbericht des Projekts „Zukunft Biene„) lassen sich aber doch einige für die Praxis relevante Erkenntnisse ziehen.

1. Langzeitbehandlung mit Ameisensäure schlägt Kurzzeitbehandlung

Die Behandlung mit Ameisensäure stellt die wichtigste Behandlungsmethode gegen die Varroa-Milbe im Sommer dar. Dabei kann zwischen einer Kurzzeit- und Langzeitbehandlung unterschieden werden, die entweder für sich oder in Kombination angewandt werden. Bei unserer Analyse des Überwinterungserfolgs österreichischer Bienenvölker der letzen vier Jahre konnten wir feststellen, dass einer alleinigen Ameisensäure-Langzeitbehandlung statistisch gesehen der Vorzug gegenüber einer alleinigen Kurzzeitbehandlung gegeben werden kann. Über die tatsächlich beste Art der Ameisensäure-Anwendung und die dabei vorherrschenden Umweltbedingungen können wir nur bedingt Aussagen treffen, da sich diese sehr stark unterscheiden. Art, Zeitpunkt und Dauer der Einbringung der Ameisensäure ins Bienenvolk, und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Entmilbung ist neben den Wetterbedingungen auch sehr stark von der Erfahrung der Imkerinnen und Imker abhängig. Die Ameisensäure als Bekämpfungsmethode gegen die Varroa-Milbe soll in jedem Fall weiter gestärkt und ihre Wirksamkeit in Feldversuchen untersucht werden.

2. Biotechnische Methoden sind in Wintern mit hoher Verlustrate erfolgversprechend

In zwei von vier untersuchten Wintern, nämlich den Wintern mit vergleichsweise hohen Verlusten, wie wir sie 2014/15 und 2016/17 verzeichnen konnten, zeigte die Anwendung von biotechnischen Methoden (ohne Hyperthermie und ohne Drohnenbrutentnahme, diese sind in eigenen Kategorien ausgewertet) signifikant positive Effekte auf den Überwinterungserfolg der Bienenvölker. Mit biotechnischen Methoden gemeint sind hier zum Beispiel Methoden wie Bann- und Fangwabe, Käfigen der Königin oder komplette Entnahme verdeckelter Arbeiterinnenbrut. In den beiden anderen Wintern, in denen geringere Verlustraten festgestellt haben, fanden wir jedoch keine statistisch belegbaren Unterschiede im Überwinterungserfolg bei Anwendung bzw. Nichtanwendung von andere biotechnische Methoden, aber auch keine nachteiligen Effekte. Biotechnische Methoden zur Bekämpfung der Varroa-Milbe können demzufolge empfohlen werden, um Winterverluste zu reduzieren.

3. In Wintern mit hohen Verlusten habens Milbenzähler leichter

Im Zuge der Analyse der Bekämpfungsmethoden gegen Varroa destructor wollten wir herausfinden, wie oft eine Bestimmung des Varroa-Befalls der Völker von den ImkerInnen durchgeführt wurde. Dabei haben wir den Zeitraum von April des Einwinterungsjahrs bis April des Auswinterungsjahres genauer betrachtet und die Winterverlustraten von Betrieben, die eine Bestimmung im jeweiligem Monat durchgeführt haben, mit der von Betrieben, die keine Bestimmung gemacht haben, verglichen. In drei von vier untersuchten Jahren hatte eine Bestimmung des Befalls im Winter eine geringere Verlustrate zur Folge. Es ist anzunehmen, dass die signifikante Reduktion der Winterverluste bei Betrieben, die den Milbenbefall der Völker bestimmen, von besserer Kenntnis des Befallsstandes und damit auch von zeitgerechterer und damit erfolgreicheren Bekämpfung der Varroa-Milbe begleitet wird. Aus den statistisch belegten positiven Effekten, vor allem in den beiden Wintern mit hoher Wintersterblichkeit, lässt sich also die Empfehlung ableiten, möglichst gut über den Befallsstand der Bienenvölker mit der Varroa-Milbe Bescheid zu wissen und durch geeignete Maßnahmen auch entsprechend zu handeln. Der positive Effekt auf die Winterverlustrate wird dabei also nicht ursächlich durch die Bestimmung des Milbenbefalls erreicht. Dennoch konnte diese Methode als erfolgreiche Strategie identifiziert werden – versuchen Sie also Ihre Milben(zahl) zu kennen!

 

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